Apostelgeschichte 2,1–4: „Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“

Ihr Getreuen des Herrn,

ich schreibe euch zu Pfingsten, dem Fest, an dem Gott selbst herabkam und seine Kirche gründete. Was zu Pfingsten geschah, war kein menschliches Werk. Es war der Heilige Geist, der die Jünger erfüllte und sie zu Zeugen machte. Ohne diesen Geist wäre die Kirche nichts als eine leere Hülle, ein Verein frommer Menschen ohne Leben und ohne Kraft.

Die Apostelgeschichte berichtet: „Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apostelgeschichte 2,4). Der Geist kam nicht leise, nicht als fromme Regung oder guter Gedanke. Er kam wie ein gewaltiger Wind, wie Feuer, das sich auf jeden einzelnen setzte. Gott wollte nicht, dass seine Boten zweifeln, sondern dass sie gewiss werden. Er wollte nicht, dass sie schweigen, sondern dass sie reden. Und so redeten sie, nicht aus eigener Kraft, sondern weil der Geist durch sie sprach.

Auch heute gilt: Wer von Christus reden will, braucht den Heiligen Geist. Wer ohne ihn predigt, predigt sich selbst. Wer ohne ihn glaubt, glaubt an eigene Gedanken. Wer ohne ihn lebt, lebt im Fleisch. Paulus schreibt: „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf“ (Römer 8,26). Wir sind schwach. Unsere Worte sind schwach. Unser Glaube ist schwach. Aber der Geist macht uns stark.

Doch lasst euch nicht täuschen. Der Geist kommt nicht zu denen, die sich selbst genügen. Er kommt nicht zu den Selbstgerechten, nicht zu denen, die meinen, sie hätten Gott schon verstanden. Er kommt zu den Zerbrochenen, zu denen, die wissen, dass sie verloren sind ohne Christus. Die Jünger zu Pfingsten hatten alles verloren. Sie hatten gesehen, wie ihr Herr gekreuzigt wurde. Sie hatten versagt, waren geflohen, hatten geleugnet. Und gerade zu ihnen kam der Geist. Nicht weil sie würdig waren, sondern weil Christus sie erwählt hatte.

So ist es bis heute. Der Heilige Geist wird nicht durch Werke verdient, nicht durch Frömmigkeit erworben, nicht durch Gefühle herbeigerufen. Er wird gegeben. Gott gibt ihn denen, die um ihn bitten, die ihm vertrauen, die auf sein Wort hören. Jesus sagt: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lukas 11,13).

Bittet also um den Geist. Nicht als Gefühl, nicht als Erlebnis, sondern als die Kraft, die euch im Glauben hält, die euch zur Buße führt, die euch Christus vor Augen stellt. Der Geist wirkt durch das Wort. Wo das Wort Gottes verkündigt wird, da ist er gegenwärtig. Wo die Sakramente gereicht werden, da handelt er. Wo Sünder Vergebung empfangen, da versiegelt er das Heil.

Darum haltet fest am Wort. Lasst euch nicht abbringen von der Heiligen Schrift. Es gibt viele Stimmen heute, die behaupten, der Geist spreche auch ohne das Wort, ja sogar gegen das Wort. Das ist Lüge. Der Geist widerspricht sich nicht. Was er den Aposteln eingegeben hat, das gilt bis heute. Was in der Heiligen Schrift steht, das ist sein Zeugnis. Wer den Geist ohne das Wort sucht, der sucht einen Geist, den es nicht gibt.

Die Reformation hat uns gelehrt: Sola Scriptura. Die Heilige Schrift allein ist die Quelle und Richtschnur des Glaubens. Nicht die Gefühle, nicht die Erfahrungen, nicht die Traditionen der Menschen. Was Gott gesagt hat, das steht fest. Was er in Christus getan hat, das bleibt ewig gültig. Paulus schreibt: „Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit“ (2. Timotheus 3,16). Wer die Schrift verlässt, verlässt Christus. Denn Christus begegnet uns nicht in unseren Einfällen, sondern in seinem Wort. Er bindet sich an die Schrift – und wir binden uns an ihn, indem wir an der Schrift bleiben.

Und nun muss es gesagt werden – als Hirtenwort, als Ruf zur Umkehr: Viele haben die Schrift verlassen. Viele haben Christus verlassen. Und ja: Auch unsere evangelische Kirche hat sich in vielem von Christus entfernt, weil sie sich von seinem Wort entfernt hat. Wo das Wort nicht mehr herrscht, herrscht etwas anderes: der Zeitgeist, die Menschenfurcht, die Anpassung, die Selbstverwirklichung.

Doch Christus ruft: „Kehre zurück zu meinem Wort. Kehre zurück zu mir.“ Denn seine Stimme ist nicht verstummt. Sein Ruf ist nicht schwächer geworden. Seine Wahrheit ist nicht veraltet. Seine Gnade ist nicht erschöpft. Er spricht: „Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen“ (Johannes 5,24). Nicht: wer sich gut fühlt. Nicht: wer dem Zeitgeist folgt. Nicht: wer sich selbst genügt. Sondern: wer mein Wort hört.

Darum sage ich dir: Halte dich an die Schrift. Halte dich an Christus. Halte dich an das Evangelium, das allein rettet. Denn nur dort, wo sein Wort bleibt, bleibt auch seine Kirche.

Doch das Wort allein genügt nicht, wenn es nicht im Herzen wirkt. Und hier zeigt sich die Gnade Gottes. Der Geist nimmt das Wort und macht es lebendig. Er überführt uns von Sünde, er weist uns auf Christus, er schenkt uns Glauben. Ohne ihn wäre die Bibel nur ein Buch. Mit ihm wird sie zum lebendigen Wort Gottes, das richtet und rettet.

Darum prüft euch selbst. Habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Nicht: Habt ihr ein Erlebnis gehabt? Sondern: Glaubt ihr an Jesus Christus? Haltet ihr sein Wort? Liebt ihr die Brüder? Habt ihr Frieden mit Gott? Paulus schreibt: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit“ (Galater 5,22-23). Daran erkennt man den Geist, nicht an äußeren Zeichen, sondern an der Veränderung des Herzens.

Wer den Geist hat, der kämpft gegen die Sünde. Er wird nicht vollkommen, aber er bleibt nicht gleichgültig. Er fällt, aber er steht wieder auf. Er leidet, aber er verzweifelt nicht. Der Geist tröstet in der Anfechtung, stärkt in der Schwachheit, führt in der Verwirrung. Er ist der Beistand, den Christus versprochen hat: „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Johannes 14,16).

Lebt also im Geist. Das heißt: Lebt aus dem Wort. Hört auf Gottes Stimme. Gehorcht seinem Willen. Vertraut auf seine Gnade. Und wenn ihr fühlt, dass eure Kraft zu Ende ist, dann wisst: Der Geist trägt euch. Paulus sagt: „Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln“ (Galater 5,25). Das ist kein Aufruf zu Schwärmerei, sondern zu einem Leben in Buße und Glauben, in Demut und Gehorsam, in Liebe und Hoffnung.

Die Welt braucht heute keine frommen Reden, sondern Zeugen Christi. Menschen, die nicht sich selbst verkündigen, sondern den Gekreuzigten. Menschen, die nicht dem Zeitgeist folgen, sondern dem Heiligen Geist. Menschen, die nicht gefallen wollen, sondern treu sind. Ihr seid zu solchem Zeugnis berufen. Nicht aus eigener Kraft, sondern durch den Geist, der euch gegeben ist.

Darum bitte ich euch: Bleibt im Wort. Bleibt im Gebet. Bleibt in der Gemeinschaft. Bleibt bei Christus. Der Geist wird euch nicht verlassen, wenn ihr ihn nicht verlasst. Er wird euch führen, auch durch dunkle Täler, auch durch schwere Zeiten. Und am Ende wird er euch vollenden, wenn Christus wiederkommt.

Bis dahin gilt das Wort des Apostels: „Lasst euch vom Geist leiten, so werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen“ (Galater 5,16). Das ist kein leichter Weg, aber es ist der Weg des Lebens. Christus ist vorangegangen. Der Geist wird euch nachfolgen lassen.

Der Herr segne und bewahre euch in seiner Wahrheit.
Euer Diener am Evangelium Jesu Christi

Pater Berndt